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<title>Ausländerprogramm der ARD</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Ausländerprogramm der ARD</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p>Das <b>Ausländerprogramm der ARD</b> besteht aus fremdsprachigen <a href="H%C3%B6rfunk" title="Hörfunk">Hörfunksendungen</a> und <a href="Rundfunkprogramm" title="Rundfunkprogramm">-programmen</a> der <a href="ARD" title="ARD">ARD</a>-Rundfunkanstalten, die sich ursprünglich seit den 1960er Jahren an <a href="Migrant" title="Migrant">Migranten</a> in <a href="Deutschland" title="Deutschland">Deutschland</a> richteten. Neben der allgemeinen Berichterstattung sollten die Sendungen dazu dienen, die Verbindung zum Heimatland zu halten, „als Orientierungshilfe für eine mögliche Rückkehr“.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Heute wird mit solchen Angeboten ein <a href="Integration_(Soziologie)" title="Integration (Soziologie)">integratives</a> Ziel verfolgt.
</p><p>Das Ausländerprogramm ist nicht zu verwechseln mit dem <a href="Auslandsrundfunk" title="Auslandsrundfunk">Auslandsrundfunk</a>, der von der <a href="Deutsche_Welle" title="Deutsche Welle">Deutschen Welle</a> und bis in die 1990er Jahre hinein teilweise auch vom <a href="Deutschlandfunk" title="Deutschlandfunk">Deutschlandfunk</a> betrieben wurde. Diese deutsch- und fremdsprachigen Sendungen richten sich an Hörer im Ausland.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Die_Anfänge"><span id="Die_Anf.C3.A4nge"></span>Die Anfänge</h3></div>
<p>Mit dem Einsetzen der Zuwanderung der sogenannten <a href="Gastarbeiter" title="Gastarbeiter">Gastarbeiter</a> in die Bundesrepublik Deutschland nahmen die ARD-Anstalten Hörfunksendungen in den Muttersprachen der Zuwanderer in ihr Programm auf.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die älteste Sendung dieser Art ist die <i>Mezz’Ora Italiana</i>, die vom <a href="Saarl%C3%A4ndischer_Rundfunk" title="Saarländischer Rundfunk">Saarländischen Rundfunk</a> zuerst am 21. Oktober 1961 in italienischer Sprache ausgestrahlt wurde. Heute ist sie am Wochenende im Programm <a href="Antenne_Saar" title="Antenne Saar">Antenne Saar</a> zu hören. Außer dem SR produzierten auch der <a href="Bayerischer_Rundfunk" title="Bayerischer Rundfunk">Bayerische Rundfunk</a> und der <a href="Westdeutscher_Rundfunk_K%C3%B6ln" title="Westdeutscher Rundfunk Köln">Westdeutsche Rundfunk</a> Sendungen in Fremdsprachen. Die erste türkische Sendung von <a href="K%C3%B6ln_Radyosu" title="Köln Radyosu">Köln Radyosu</a> war am 2. November 1964.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Das_gemeinsame_„Gastarbeiterprogramm“_1964–2002"><span id="Das_gemeinsame_.E2.80.9EGastarbeiterprogramm.E2.80.9C_1964.E2.80.932002"></span>Das gemeinsame „Gastarbeiterprogramm“ 1964–2002</h3></div>
<p>Seit 1964 gab es ein tägliches Gastarbeiterprogramm, das vom BR und vom WDR produziert und von allen anderen Anstalten, außer dem <a href="Mitteldeutscher_Rundfunk" title="Mitteldeutscher Rundfunk">MDR</a> und dem <a href="Ostdeutscher_Rundfunk_Brandenburg" title="Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg">ORB</a>, ganz oder teilweise am Abend und am Wochenende übernommen wurde. Seit 1999 beteiligte sich auch der <a href="Sender_Freies_Berlin" title="Sender Freies Berlin">Sender Freies Berlin</a> an der Produktion. Zu Anfang wurde über die damals neu eingeführten dritten Hörfunkprogramme gesendet. Die Sendungen begannen um 19 Uhr und dauerten bis etwa 22 Uhr. Gesendet wurde auf Italienisch, auf Griechisch und Türkisch sowie in den jugoslawischen Sprachen in unterschiedlicher Länge. Anfangs waren die Italienischsendungen des WDR nur eine Viertelstunde lang, später wurden die Ausgaben in allen Sprachen auf jeweils 45, später 40 Minuten verlängert.
</p><p>Die Sendungen standen in Konkurrenz zu den osteuropäischen Programmen für Arbeitsmigranten, die von <a href="Radio_Berlin_International" title="Radio Berlin International">Radio Berlin International</a>, <a href="Radio_Praha_International" title="Radio Praha International">Radio Prag</a>, <a href="Polskie_Radio" title="Polskie Radio">Radio Warschau</a> und <a href="Magyar_R%C3%A1di%C3%B3" title="Magyar Rádió">Radio Budapest</a> ausgestrahlt wurden. Diese waren zudem für die meisten Betroffenen leichter zu empfangen, weil sie auf <a href="Mittelwelle" title="Mittelwelle">Mittelwelle</a> ausgestrahlt wurden und die meisten Hörer damals über kein <a href="UKW" class="mw-redirect" title="UKW">UKW</a>-Radio verfügten. Die Mittelwelle sollte nicht mit den für westdeutsche Hörer „uninteressanten“ fremdsprachigen Programmen „blockiert“ werden, deshalb wurden sie auf den neuen UKW-Frequenzen gesendet.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Sendungen waren über Deutschland hinaus auch für die jeweiligen Heimatländer oft eine wichtige Informationsquelle und führten mitunter auch zu diplomatischen Verwicklungen, so etwa die spanischen Programme während der <a href="Franquismus" title="Franquismus">Zeit Francos</a><sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> oder die griechischen Sendungen während der <a href="Griechische_Milit%C3%A4rdiktatur" title="Griechische Militärdiktatur">dortigen Diktatur</a>.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> 1972 wurde auf massiven politischen und wirtschaftlichen Druck hin sogar die Verlagerung der Gastarbeiterprogramme zum <a href="Deutschlandfunk" title="Deutschlandfunk">Deutschlandfunk</a> diskutiert. Die politischen Kommentare auf Spanisch und Griechisch wurden daraufhin eingestellt.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-diezeit1974_8-0" class="reference"><a href="#cite_note-diezeit1974-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Studien hatten ergeben, dass die Reichweite unter der <a href="Zielgruppe" title="Zielgruppe">Zielgruppe</a> zeitweilig hoch war; im Sendegebiet des WDR hörte etwa die Hälfte aller gebürtigen Türken die Sendungen von <i>Köln Radyosu</i>. Mitte der 1970er Jahre schalteten viele die Sendungen, in denen es vor allem um praktische Lebenshilfe bis hin zum deutschen Arbeitsrecht und zur Sozialpolitik ging, mehrmals wöchentlich ein. Die Gewerkschaften lobten die Sendungen.<sup id="cite_ref-diezeit1974_8-1" class="reference"><a href="#cite_note-diezeit1974-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In den 1990er Jahren war allerdings durch das Aufkommen des <a href="Satellitenrundfunk" title="Satellitenrundfunk">Satellitendirektempfangs</a> und die Verfügbarkeit ausländischer Sender im <a href="Kabelfernsehen" title="Kabelfernsehen">Kabelfernsehen</a> sowie dem Vordringen des <a href="Privatfernsehen" title="Privatfernsehen">Privatfernsehens</a> ein Wendepunkt erreicht. 1996 schalteten nur noch etwa drei Prozent der <a href="Nordrhein-Westfalen" title="Nordrhein-Westfalen">nordrhein-westfälischen</a> Türken regelmäßig die türkischen Sendungen des WDR ein.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Durch die Zunahme des <a href="H%C3%B6rfunkformat" title="Hörfunkformat">Formatradios</a> wurden die Sendungen immer mehr auf die <a href="Mittelwelle" title="Mittelwelle">Mittelwellensender</a> abgedrängt, was ihre Akzeptanz weiter schwächte. Bei der Einstellung der Sendungen durch den Hessischen Rundfunk im Jahr 2010 waren die Einschaltquoten schließlich „nicht mehr messbar“.<sup id="cite_ref-tagesspiegel_2009_10-0" class="reference"><a href="#cite_note-tagesspiegel_2009-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bei einigen Anstalten wurden die Sendungen in die neu eingerichteten interkulturellen Programme <a href="Radio_Multikulti" title="Radio Multikulti">Radio Multikulti</a> (RBB) und <a href="Funkhaus_Europa" class="mw-redirect" title="Funkhaus Europa">Funkhaus Europa</a> (WDR, <a href="Radio_Bremen" title="Radio Bremen">Radio Bremen</a>) integriert. Seit der Einstellung von Multikulti entstand Anfang 2017 das gemeinsame Programm <a href="COSMO_(Radiosender)" class="mw-redirect" title="COSMO (Radiosender)">Cosmo</a>, das seitdem von WDR, Radio Bremen und RBB betrieben wird. Das gemeinsame Ausländerprogramm der ARD endete im Jahr 2002.
</p><p>Diese Veränderungen trafen übrigens in diesem Zeitraum auch die Ausländerprogramme im deutschen Fernsehen. Die Sender reagierten mehrfach kurzfristig mit Reformen ihrer Formate. Größere Veränderungen fielen in die Zeit nach der <a href="Wende_und_friedliche_Revolution_in_der_DDR" title="Wende und friedliche Revolution in der DDR">Wende</a> 1989/1990, in der es im Zuge der vorausgegangenen <a href="Asyldebatte" title="Asyldebatte">Asyldebatte</a> zu einer Reihe von rassistischen Ausschreitungen und Straftaten gekommen war, so in <a href="Ausschreitungen_in_Hoyerswerda" title="Ausschreitungen in Hoyerswerda">Hoyerswerda</a>, <a href="Ausschreitungen_in_Rostock-Lichtenhagen" title="Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen">Rostock-Lichtenhagen</a> und in <a href="Mordanschlag_von_M%C3%B6lln" title="Mordanschlag von Mölln">Mölln</a>. Dem sollte mit integrativen und multikulturellen Inhalten entgegengewirkt werden. Das <a href="Zweites_Deutsches_Fernsehen" title="Zweites Deutsches Fernsehen">ZDF</a> änderte Konzept und Gestaltung seiner wöchentlichen Sendung „Nachbarn in Europa“ seit 1983 mehrmals und übernahm dabei Nachrichtenbeiträge von ausländischen Partnersendern direkt, seit 1992 hieß die Sendung „Nachbarn – Ein Magazin für Ausländer und Deutsche“. Das Format wurde 1998 aus dem Programm genommen. In der ARD gab es ebenfalls größere Reformen von der Sendung „Ihre Heimat – Unsere Heimat“ hin zu dem WDR-Magazin „Babylon“ und der Talkshow „Vetro – Café mit Weitblick“, die beide 2003 durch <a href="Cosmo_TV" title="Cosmo TV">Cosmo TV</a> ersetzt wurden.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Integration_als_„Querschnittsaufgabe“_seit_2003"><span id="Integration_als_.E2.80.9EQuerschnittsaufgabe.E2.80.9C_seit_2003"></span>Integration als „Querschnittsaufgabe“ seit 2003</h3></div>
<p>Seit 2003 liegt es bei den einzelnen Landesanstalten, welche Radiosendungen sie in Fremdsprachen anbieten. Typisch sind seitdem multikulturelle Redaktionen und Schwerpunktsendungen in den Informationswellen. Beispielsweise unterhält der <a href="S%C3%BCdwestrundfunk" title="Südwestrundfunk">Südwestrundfunk</a> eine Redaktion <i>SWR International</i>, die Beiträge zu allen Hörfunkprogrammen zuliefert und eigene Sendungen im Nachrichtenkanal <a href="SWRinfo" title="SWRinfo">SWRinfo</a> hat.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der <a href="Hessischer_Rundfunk" title="Hessischer Rundfunk">HR</a> produzierte bis zur Abschaltung seines Mittelwellensenders Ende 2009 spanische und griechische Sendungen,<sup id="cite_ref-tagesspiegel_2009_10-1" class="reference"><a href="#cite_note-tagesspiegel_2009-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> während der WDR Beiträge auf Italienisch, Türkisch, Kurdisch, auf Arabisch (gemeinsam mit dem RBB) sowie in südslawischen Sprachen in den Austausch zwischen den ARD-Anstalten einbringt. Der <a href="Norddeutscher_Rundfunk" title="Norddeutscher Rundfunk">Norddeutsche Rundfunk</a> übernimmt zum Teil Sendungen aus dem Programm <i>Funkhaus Europa</i>. Letzteres ist das umfangreichste fremdsprachige Angebot dieser Art in der ARD. Es wird seit 1998 vom WDR gemeinsam mit Radio Bremen produziert. Das vier Jahre zuvor vom RBB gestartete <a href="Radio_Multikulti" title="Radio Multikulti">Radio Multikulti</a> wurde Ende 2008 eingestellt; seitdem beteiligt sich auch der RBB an <i>Funkhaus Europa</i> und übernimmt das Programm für sein Sendegebiet. Seit 2015 wurde im Rahmen von <i>Funkhaus Europa</i> auch ein <i>Refugee Radio</i> produziert, das Nachrichten auf Englisch und Arabisch für die <a href="Fl%C3%BCchtlingskrise_in_Deutschland_2015/2016" title="Flüchtlingskrise in Deutschland 2015/2016">Flüchtlinge in Deutschland</a> bereitstellt.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Mit diesen Programmen, die sich seitdem nicht nur an ausländische Hörer, sondern auch an Deutsche richten und die rund um die Uhr senden, sollte auf die Veränderungen in der Gesellschaft reagiert werden. Sie dienen daher der <a href="Integration_(Soziologie)" title="Integration (Soziologie)">Integration</a> aller Bevölkerungsgruppen und <a href="Ethnie" title="Ethnie">Ethnien</a>. Dieses Ziel könne mit rein fremdsprachigen Sendungen nicht erreicht werden, sie „dienen nicht der Integration, weil sie deutsche Sprachkenntnisse nicht befördern“, hieß es etwa beim Hessischen Rundfunk 2010.<sup id="cite_ref-tagesspiegel_2009_10-2" class="reference"><a href="#cite_note-tagesspiegel_2009-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Hintergrund war ein Beschluss der ARD-Intendanten aus dem Jahr 2006, die Integration zu einer „Querschnittsaufgabe“ zu machen, die sich im gesamten Programm niederschlagen soll. Außerdem sollten Migranten verstärkt als Moderatoren gewonnen werden, so dass sie „als selbstverständliche Akteure und Verantwortungsträger, als Experten und Diskussionsteilnehmer in Talkrunden und Fictionformaten auftreten – unabhängig von einem ausländerspezifischen Zusammenhang.“<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Schwerpunkt liegt seitdem nicht mehr auf dem Hörfunk, sondern auf dem <a href="Fernsehen" title="Fernsehen">Fernsehen</a>.
</p><p>Diesem Wechsel liegen eine Reihe von Untersuchungen aus der <a href="Medienwissenschaft" title="Medienwissenschaft">Medienforschung</a> zugrunde. In der Studie „Migranten und Medien 2007“, die von ARD und ZDF durchgeführt worden war, hatte sich gezeigt, dass nur 47 Prozent der Migranten und der Deutschen mit Migrationshintergrund ab dem Alter von 14 Jahren täglich Radio hören, im Vergleich zu 84 Prozent der deutschen Erwachsenen. Auch die Dauer der Radionutzung unterschied sich deutlich: Ausländer hörten durchschnittlich nur 102 Minuten am Tag zu, bei den Deutschen lag die Nutzungsdauer bei 221 Minuten. Für die Nutzung von Fernsehen und Internet bestehen dagegen keine <a href="Statistische_Signifikanz" title="Statistische Signifikanz">statistisch signifikanten</a> Unterschiede. Die Radionutzung lag bei Personen türkischer Herkunft am niedrigsten (22 Prozent Radiohörer), bei den Polen war sie mit 72 Prozent am höchsten. Die Gründe für diese Unterschiede ist nicht untersucht worden, aus den Beobachtungen ergeben sich aber Hinweise: Etwa ein Viertel aller Migrantenhaushalte in der Studie hatte gar kein Radiogerät zur Verfügung. Für Nordrhein-Westfalen ergab sich ein Rückgang der Radionutzung, als die Einspeisung heimatsprachlicher Fernsehsender im analogen und im kostenpflichtigen Kabelnetz begann. Es bestehen aber auch traditionelle Gründe: Auch in den Herkunftsländern wird allgemein mehr ferngesehen, die Nutzung des Hörfunks ist weniger intensiv als hierzulande. Außerdem wird Musik aus den Heimatländern eher auf CDs, DVDs und über das Internet gehört als im Radio. Eine wichtige Rolle spiele auch die Haushaltsgröße, die bei Migrantenhaushalten im Durchschnitt doppelt so groß ist wie bei deutschen. Die Radionutzung sinkt mit der Personenzahl im Haushalt. Deutsche Sender wurden intensiver genutzt als heimatsprachliche Angebote, und zwar umso mehr, je höher der Bildungsabschluss war.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Ergebnisse wurden in nachfolgenden Untersuchungen bestätigt. Die neueren Erhebungen unterscheiden sich von den älteren vor allem hinsichtlich der Differenziertheit, mit der die Bevölkerungsgruppen und ihre Gewohnheiten beschrieben werden.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Seit 2015 gibt es von WDR und NDR die Radiosendung <i>Refugee Radio</i>, ein Programm mit arabisch- und englischsprachigen Nachrichten für Flüchtlinge.<sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Informationsangebote für die Zielgruppe auf Deutsch, Englisch, Arabisch und Persisch wurden seit 2016 in dem Internetangebot <i>WDRforyou</i> zusammengefasst. Kurznachrichten werden auch als <a href="Abonnement" title="Abonnement">Abonnement</a> für den <a href="Facebook" title="Facebook">Facebook Messenger</a> angeboten.<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Zunehmend wird die Frage aufgegriffen, weshalb der Anteil von Journalisten und Moderatoren mit Migrationshintergrund oder mit <a href="Person_of_Color" class="mw-redirect" title="Person of Color">nicht-weißer Hautfarbe</a> im Rundfunk nicht deren Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. Eine Rolle dabei könnte die <a href="Berufsausbildung" title="Berufsausbildung">Berufsausbildung</a> im <a href="Journalist" title="Journalist">Journalismus</a> spielen. Deren lange Dauer in Verbindung mit einer ungewissen beruflichen Zukunft bevorzugt die Angehörigen aus <a href="Mittelschicht" title="Mittelschicht">Mittelschichtfamilien</a>, die finanziell besser abgesichert sind, und <a href="Diskriminierung" title="Diskriminierung">benachteiligt</a> somit mittelbar gesellschaftliche Aufsteiger, zu denen auch Personen mit Migrationshintergrund häufig immer noch gehören.<sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Mehmet Aktan: <i>Das Medienangebot für die ausländischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland untersucht am Beispiel türkischsprachiger Zeitungen und Hörfunksendungen</i>. München, Univ., Diss., 1984.</li>
<li>Raphael Rauch: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://rundfunkundgeschichte.de/assets/RuG_2015_1-2.pdf"><i>Muslime auf Sendung. Das „Türkische Geistliche Wort“ im ARD-„Ausländerprogramm“ und islamische Morgenandachten im RIAS</i>.</a> In: <a href="Studienkreis_Rundfunk_und_Geschichte" title="Studienkreis Rundfunk und Geschichte">Rundfunk und Geschichte</a> 1–2/2015, 9–21.</li>
<li>Roberto Sala: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40208469/default.aspx">„Gastarbeitersendungen“ und „Gastarbeiterzeitschriften“ in der Bundesrepublik (1960–1975) – ein Spiegel internationaler Spannungen</a></i>. In: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 2 (2005), H. 3.</li>
<li>Roberto Sala: <i>Fremde Worte. Medien für „Gastarbeiter“ in der Bundesrepublik im Spannungsfeld von Außen- und Sozialpolitik</i>. Schöningh. Paderborn, 2011. ISBN 978-3-506-77106-3</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Radiofeature">Radiofeature</h2></div>
<ul><li><span class="cite">Hadija Haruna-Oelker, Lorenz Rollhäuser: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-oeffentlich-rechtlichen-und-die-migrationsgesellschaft.3682.de.html?dram:article_id=485130"><i>Die Öffentlich-Rechtlichen und die Migrationsgesellschaft – Dekolonisiert euch!</i></a> In: <i>Deutschlandfunk Kultur.</i> 24. November 2020,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 3. Januar 2021</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AAusl%C3%A4nderprogramm+der+ARD&rft.title=Die+%C3%96ffentlich-Rechtlichen+und+die+Migrationsgesellschaft+%E2%80%93+Dekolonisiert+euch%21&rft.description=Die+%C3%96ffentlich-Rechtlichen+und+die+Migrationsgesellschaft+%E2%80%93+Dekolonisiert+euch%21&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.deutschlandfunkkultur.de%2Fdie-oeffentlich-rechtlichen-und-die-migrationsgesellschaft.3682.de.html%3Fdram%3Aarticle_id%3D485130&rft.creator=Hadija+Haruna-Oelker%2C+Lorenz+Rollh%C3%A4user&rft.date=2020-11-24&rft.language=de"> </span></li>
<li><span class="cite">Esther Saoub: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.swr.de/swr2/wissen/die-gastarbeiterprogramme-der-ard-integration-durch-radio-swr2-wissen-2023-10-14-104.html"><i>Die Gastarbeiterprogramme der ARD – Integration durch Radio?</i></a> In: <i>SWR2 Wissen.</i> Südwestrundfunk, 13. Oktober 2023,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 15. Oktober 2023</span> (mit Manuskript).</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AAusl%C3%A4nderprogramm+der+ARD&rft.title=Die+Gastarbeiterprogramme+der+ARD+%E2%80%93+Integration+durch+Radio%3F&rft.description=Die+Gastarbeiterprogramme+der+ARD+%E2%80%93+Integration+durch+Radio%3F&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.swr.de%2Fswr2%2Fwissen%2Fdie-gastarbeiterprogramme-der-ard-integration-durch-radio-swr2-wissen-2023-10-14-104.html&rft.creator=Esther+Saoub&rft.publisher=S%C3%BCdwestrundfunk&rft.date=2023-10-13&rft.language=de"> </span></li>
<li><span class="cite">Esther Saoub: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.deutschlandfunk.de/die-gastarbeiterprgramme-der-ard-einst-unersetzliche-informationsquelle-dlf-a4953e08-100.html"><i>Die „Gastarbeiterprgramme“ der ARD. Einst unersetzliche Informationsquelle.</i></a> In: <i>Hintergrund.</i> Deutschlandfunk, 15. Oktober 2023,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 15. Oktober 2023</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AAusl%C3%A4nderprogramm+der+ARD&rft.title=Die+%E2%80%9EGastarbeiterprgramme%E2%80%9C+der+ARD.+Einst+unersetzliche+Informationsquelle&rft.description=Die+%E2%80%9EGastarbeiterprgramme%E2%80%9C+der+ARD.+Einst+unersetzliche+Informationsquelle&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.deutschlandfunk.de%2Fdie-gastarbeiterprgramme-der-ard-einst-unersetzliche-informationsquelle-dlf-a4953e08-100.html&rft.creator=Esther+Saoub&rft.publisher=Deutschlandfunk&rft.date=2023-10-15&rft.language=de"> </span></li></ul>
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<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20171209100127/http://www.ard.de/home/die-ard/fakten/abc-der-ard/Auslaenderprogramm/463470/index.html">Ausländerprogramm</a> – im ABC der ARD (Archiv-Version von 2017)</li></ul>
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</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2026-01-05" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=Ausl%C3%A4nderprogramm_der_ARD&oldid=263064429">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
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